Tag 0 Zugfahrt

22. Juli 2007
Im Raucherabteil haben wir es nicht ausgehalten und mussten uns daher notgedrungen einen anderen Wagen suchen, welchen wir inzwischen aber auch wieder verlassen haben, da er für reisende Kinder reserviert war. Nun besetzen wir den Gang und Vorbeigehende sehen teils grimmig, teils verlegen lächelnd auf uns hinunter. Anna-Lena, unsere Gruppenleiterin, teilt mein Schicksal und liest gemütlich den neuen siebten Band von Harry Potter. Die anderen sitzen in einem Raucherabteilwagen und haben es vermutlich sehr bequem. Bis auf dem Qualm. Aber soweit ich gehört habe, soll nur ein Raucher zugegen sein.
Wir haben noch etwa 80 Minuten Fahrt vor uns. So langsam knurrt mein Magen und ich bin froh darüber, etwas mehr Geld mitgenommen zu haben. Dass wir tatsächlich mehr als 230 km/h fahren, merke ich nur an dem zunehmenden Druck in meinen Ohren und natürlich der Digitalanzeige.
Im Nachbarabteil sitzen Mitglieder der Delegation aus Niedersachsen. Zum Glück fliegen wir die Strecke, die wir heute bereits hinter und gelassen haben, auf dem Rückweg. Ich bin so erschöpft, dass ich am liebsten schlafen würde; da ich aber das Risiko, nachher im Flugzeug nicht schlafen zu können, nicht auf mich nehmen möchte, sammle ich meine Müdigkeit noch ein bisschen.
Jetzt heißt es wieder aufstehen, um den Ein- und Aussteigenden Platz zu machen ...

Tag 1 im Flugzeug

23. Juli 2007
Unvorstellbar, dass wir für das Einchecken, die Kofferkontrolle und das Bording drei Stunden gebraucht haben, welche dementsprechend sehr schnell vergingen. Gegen kurz vor Mitternacht gab es dann unser Abendessen; leider war nur noch Fisch mit Reis übrig. Über den ganzen Tag verteilt, hatte ich noch drei Brötchen gegessen und habe von dem Menü aufgrund eines anscheinend geschrumpften Magens auch nur wenig vertilgen können.
An Bord gibt es die neuste Technik. In jedem Kopfteil der drei mal drei Sitzreihen dieser Boing 777 befindet sich ein verstellbares Display und in jeder Armlehne eine Fernbedienung mit allerhand Funktionen. Eine riesige Film- und Spieleauswahl steht und zu Verfügung und der Service ist klasse!

Im Augenblick befinden wir uns in 10000 Meter Höhe und fliegen mit einer Geschwindigkeit von etwa 950 km/h. Vereinzelte Turbulenzen inklusive. Bis Tokyo sind es noch etwas mehr als drei Stunden. Irgendwie sind wir gerade über Russland, nahe Sibirien. Aus der Vogelperspektive sieht man nur gelbe, dunkle und grüne Felder; das Gebiet scheint menschenleer.
Hoffentlich gibt es bald Frühstück. Die ersten werden nach der kurzen, für mich etwa fünfstündigen nacht munter. Da hinter uns niemand mehr sitzt, konnten wir unsere Sitze beliebig verstellen. Trotzdem war alles ziemlich unbequem.

Tag 1 im 6. Stock des Otsu Prince Hotels

23. Juli 2007
Seit Frankfurt am Main sind wir 18 Stunden unterwegs; seit Rostock also etwa einen Tag. Endlich können wir in diesem Luxushotel zur Ruhe kommen und unseren wohlverdienten Schlaf nachholen. Aber maximal 6 Stunden, denn ab 7 Uhr gibt es Frühstück und anschließend geht es nach der Vorstellung der JJSA zu einem Halbtagsausflug nach Kyoto.
Die Besonderheiten des Hotels: Insgesamt etwas weniger als 40 Stockwerke, wobei es weder ein viertes, noch ein dreizehntes Geschoss gibt. Die Zimmer sind komfortabel für drei Personen hergerichtet worden und verfügen über eine Toilette mit beheiztem Klodeckel und auch die Duschen sind typisch japanisch. Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich eine wunderschöne Skyline. Nicht zu vergessen: Für die Nachtruhe bindet man sich den hoteleigenen Yukata um.
Trotzdem ist mir noch etwas mulmig. Ständig schwankt der Boden und ich komme mir wie besoffen vor. Bin ich denn so empfindlich gegenüber seismischen Aktivitäten, oder saß ich einfach nur zu lange im Flugzeug?
In Tokyo/Narita Airport mussten wir zwei Stunden auf den nächsten Flug nach Osaka warten: Es dauert also länger als 60 Minuten, bis 125 Deutsche ihr Gepäck beisammen haben. Es ist jetzt 20 Minuten vor Mitternacht und die Gruppenleiter und Gruppensprecher erhalten die letzten Informationen. Meine Mutter konnte ich auch schon benachrichtigen, dass es mir gut geht.

Tag 2 im Yukata frisch aus dem Bad

24. Juli 2007
Im Zimmer ist es noch dunkel. Die Vorhänge sind zugezogen. Nur zu gerne würde ich einen Blick aus dem Fenster werden, möchte die beiden anderen, noch schlafenden Mädchen aber nicht wecken.
Das Badezimmer ist typisch für Japan. In der einen Ecke des Zimmers befindet sich eine Badewanne, recht daneben ist der niedrig angebrachte Duschkopf; auf dem gefliesten Boden steht ein kleiner Hocker und davor eine Waschschüssel, welche ich auch gleich dazu verwendet habe, um dies und jenes ein bisschen durchzuwaschen.
Nach dem Aufstehen war das mulmige Gefühl, als würde alles schwanken, zum größten Teil verschwunden. Es lag wohl doch an meinem Kreislauf. Es ist kurz vor sieben; in Deutschland kurz vor Mitternacht. So schnell werde ich mich an die neue Zeitrechnung wohl nicht gewöhnen.

Bis zum Abendessen hat man uns eine kleine Pause gegönnt. Nach den Referaten der JJSA zur Einführung stiegen wir umgezogen gruppenweise in drei Busse ein und fuhren nach Kyoto. In den Fahrzeugen herrschte eine angenehme Temperatur aufgrund der modernsten Klimaanlage; außerhalb des Busses war es nur im Schatten einigermaßen erträglich. Gefühlte 40°C und heißer Wind. Zuerst stürmten wir in den Kinkakuju, den Goldenen Pavillion, den Heianjingu und dann den Kiyomizu Tempel, welcher am beeindruckensten war: Gesäumt von zahlreichen Läden, die auf den Berg mit dem Tempel führten. Dieses mal gab man uns die Zeit zum Souvenirkaufen. Ich habe einen Vorhang, japanisch Noren für meinen Freund erworben.
Alles in allem war der Ausflug ziemlich hektisch und anstrengend. Viele haben geschlafen und alle sind gespannt auf das Abendessen.

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